Lohnt sich eine PV-Anlage wirklich? Die Antwort hängt von drei zentralen Kennzahlen ab: der Amortisationsdauer, dem LCOE (Levelized Cost of Energy) und der Eigenverbrauchsquote. Dieser Ratgeber erklärt alle drei verständlich und zeigt, wie Sie Ihre persönliche Wirtschaftlichkeit berechnen.
Die drei Kennzahlen der PV-Wirtschaftlichkeit
Um die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage beurteilen zu können, brauchen Sie drei Kennzahlen: Erstens die Amortisationsdauer — sie gibt an, nach wie vielen Jahren die Investition durch eingesparte und eingespeiste Energie vollständig zurückgeflossen ist. Typische Werte für Einfamilienhäuser in Deutschland liegen heute zwischen 8 und 12 Jahren.
Zweitens der LCoE (Levelized Cost of Energy, auch: Gestehungskosten): Diese Kennzahl errechnet, was eine selbst erzeugte Kilowattstunde über die gesamte Anlagenlebensdauer tatsächlich kostet. Mit modernen Anlagen werden LCoE-Werte von 6–10 ct/kWh erreicht — weit unter dem aktuellen Strombezugspreis von ca. 30–35 ct/kWh.
Drittens die Eigenverbrauchsquote: Dieser Prozentwert gibt an, wie viel des erzeugten Solarstroms direkt im Haushalt verbraucht wird. Je höher die Eigenverbrauchsquote, desto mehr teurer Netzstrom wird eingespart — und desto kürzer die Amortisationsdauer. Ohne Speicher liegt sie typischerweise bei 25–40 %, mit Speicher bei 60–80 %.
Faustregel: Jede gesparte kWh ist wertvoller als jede eingespeiste kWh
Beim Eigenverbrauch ersparen Sie sich ca. 30–35 ct pro kWh (aktueller Netzstrompreis). Für eingespeisten Strom erhalten Sie nur ca. 8 ct/kWh Einspeisevergütung. Deshalb lohnt es sich immer, den Eigenverbrauch zu maximieren — z. B. durch zeitgesteuerte Verbraucher oder einen Heimspeicher.
Amortisationsberechnung Schritt für Schritt
Das folgende Beispiel zeigt die Berechnung für eine typische 10-kWp-Anlage in Süddeutschland mit einem Jahresertrag von ca. 10.000 kWh und einem Jahresstromverbrauch von 5.000 kWh.
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Investitionskosten ermitteln
10 kWp-Anlage inkl. Wechselrichter und Montage: ca. €14.000 (bei 0 % MwSt. seit 2023). Eventuelle Förderungen und KfW-Kredit noch nicht berücksichtigt.
- 2
Jährliche Einsparung durch Eigenverbrauch berechnen
Annahme: 50 % Eigenverbrauchsquote = 5.000 kWh Eigenverbrauch × €0,32/kWh = €1.600 eingesparter Netzstrom pro Jahr.
- 3
Einspeisevergütung berechnen
Restliche 5.000 kWh werden eingespeist: 5.000 kWh × €0,0811/kWh = €405,50 Einspeisevergütung pro Jahr (Tarif 2024 bis 10 kWp).
- 4
Jährlichen Gesamtertrag addieren
€1.600 Eigenverbrauchseinsparung + €405 Einspeisevergütung = ca. €2.005 jährlicher Gesamtertrag.
- 5
Amortisationsdauer berechnen
€14.000 Investition ÷ €2.005 jährlicher Ertrag = ca. 7,0 Jahre. Bei Strompreisanstieg von 3 % p.a. verkürzt sich die Amortisation auf ca. 6,3 Jahre.
LCoE: Was kostet Ihr Solarstrom wirklich?
Der LCoE (Levelized Cost of Energy) berechnet die Gestehungskosten pro Kilowattstunde über die gesamte Anlagenlebensdauer. Die vereinfachte Formel lautet: LCoE = (Investition + Wartungskosten über 25 Jahre) ÷ Gesamtstromertrag über 25 Jahre.
Rechenbeispiel: Investition €14.000 + Wartung €2.500 (€100/Jahr) = €16.500 Gesamtkosten. Jahresertrag 10.000 kWh × 25 Jahre × 0,9 (Degradationsfaktor) = 225.000 kWh. LCoE = €16.500 ÷ 225.000 kWh = 7,3 ct/kWh.
Dieser Wert von 7,3 ct/kWh liegt weit unter dem aktuellen Netzstrombezugspreis von ca. 30–35 ct/kWh. Das bedeutet: Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Solarstrom kostet Sie weniger als ein Viertel des Netzstroms.
Wirtschaftlichkeit bei verschiedenen Eigenverbrauchsquoten
Die Eigenverbrauchsquote hat den stärksten Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit. Die folgende Tabelle zeigt den Unterschied bei einem Jahresertrag von 10.000 kWh und einem Netzstrombezugspreis von €0,32/kWh (Einspeisevergütung €0,0811/kWh, Investition €14.000).
| Eigenverbrauch | Strombezug gespart | Einspeisung | Jährlicher Ertrag | Amortisation |
|---|---|---|---|---|
| 30 % | €960 | €569 | €1.529 | 9,2 Jahre |
| 50 % | €1.600 | €406 | €2.006 | 7,0 Jahre |
| 70 % | €2.240 | €243 | €2.483 | 5,6 Jahre |
Sensitivitätsanalyse: Was beeinflusst die Rentabilität?
Nicht alle Faktoren beeinflussen die Wirtschaftlichkeit gleich stark. Die folgende Tabelle zeigt, welche Parameter besonders sensitiv sind — und worauf Sie beim Kauf oder der Planung besonders achten sollten.
| Faktor | Einfluss auf Rentabilität | Hinweis |
|---|---|---|
| Strompreisanstieg | Sehr hoch | Jeder Cent mehr Netzstrompreis verbessert die Amortisation spürbar |
| Eigenverbrauchsquote | Hoch | Speicher oder smarte Verbraucher erhöhen die Quote |
| Solarertrag / Standort | Mittel | Süddeutschland +15 % ggü. Norddeutschland |
| Anlagenqualität / Degradation | Mittel-niedrig | Hochwertige Module degradieren langsamer |
| Finanzierungskosten | Mittel | KfW 270 senkt Zinslast bei Fremdfinanzierung |
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Häufige Fragen
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